Dieser Titel ist eine echte "Perle" unter den Werken zum FamFG, die unbedingt Beachtung verdient.

Kauf eines unbebauten Grundstücks und Errichtung eines Gebäudes

Das Finanzgericht (FG) Düsseldorf hat sich mit der Frage befasst, ob der Kauf eines unbebauten Grundstücks und die dann folgende Errichtung einer Doppelhaushälfte ein einheitliches Vertragswerk darstellen mit der Folge, dass auch die Bauerrichtungskosten der Grunderwerbsteuer zu unterwerfen wären (Urteil vom 23.11.2011 - 7 K 417/10 GE).

Der Kläger erwarb im März 2005 ein Grundstück von seiner Hausbank, der B-Bank. Der Vertrag wurde von einer Immobiliengesellschaft, der B Immobilien GmbH, vermittelt, an der u.a. die B-Bank beteiligt war. Knapp zwei Wochen später, Anfang April 2005, schloss der Kläger mit einem Bauträger einen Werkvertrag über die Errichtung einer Doppelhaushälfte ab. Ermittlungen des Finanzamts ergaben, dass die B Immobilien GmbH und der Bauträger einen Vermittlungsvertrag abgeschlossen hatten und die B Immobilien GmbH in der Folge des Abschlusses des Werkvertrags eine Provision erhielt. Das Finanzamt behandelte daraufhin den Grundstückskaufvertrag und den Werkvertrag über die Errichtung der Immobilie als einheitliches Vertragswerk und unterwarf auch die Bauerrichtungskosten der Grunderwerbsteuer . Hiergegen zog der Kläger vor das FG Düsseldorf.

Das FG gab dem Kläger Recht.

Nach Ansicht der Richter waren die Bauerrichtungskosten nicht in die Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer einzubeziehen , weil der Werkvertrag über die Errichtung des Gebäudes und der Kaufvertrag über den Erwerb des unbebauten Grundstücks kein einheitliches Vertragswerk bildeten. Im Streitfall hätten zwar der Bauträger und die B Immobilien GmbH durch ein abgestimmtes Verhalten auf den Abschluss beider Verträge, Werkvertrag und Kaufvertrag, hingewirkt. Ein Werkvertrag über die Errichtung eines Gebäudes bilde mit dem Kaufvertrag über den Erwerb des unbebauten Grundstücks aber nur dann ein einheitliches Vertragswerk, wenn das Zusammenwirken auf der Veräußererseite für den Erwerber auch objektiv erkennbar ist. Anhaltspunkte dafür, dass dem Kläger das Zusammenwirken auf der Veräußererseite bekannt war oder er es hätte erkennen können, lägen nicht vor. Allein der enge zeitliche Rahmen, in dem der Werkvertrag und der Kaufvertrag abgeschlossen worden sind, ist nach Ansicht des Gerichts kein Indiz für eine Kenntnis über die Beziehungen der auf Seiten des Veräußerers handelnden Personen.

Quelle: Pressemitteilung des Finanzgerichtes Düsseldorf im Internet-Newsletter März 2012

(FG Düsseldorf, 23.11.2011 - 7 K 417/10 GE)

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA u. Dipl. Finanzwirt Holger Höwel.


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