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Chemie-Branche: 4,5 Prozent mehr Geld - Mitbestimmung für Betriebsräte bei Arbeitszeit

Am Donnerstag (24. Mai 2012) sind die Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie beendet worden. Arbeitnehmer erhalten 4,5 Prozent mehr Gehalt. Zudem werden für ältere Beschäftigte flexible Übergänge in den Ruhestand geschaffen, bei denen Betriebsräte über Betriebsvereinbarungen mitbestimmen sollen.

"Das ist ein gutes Ergebnis", zeigte sich Michael Vassiliadis zufrieden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG-BCE-Vorsitzende) ist davon überzeugt, dass sich mit dem neuen Tarifvertrag die Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Chemie-Beschäftigte verbessern werden. Je nach Tarifbezirk erhalten die Arbeitnehmer ab Juni, Juli, August bzw. September 4,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von 19 Monaten. Auszubildende erhalten 50 Euro mehr. Stimmt der Betriebsrat zu, können wirtschaftlich angeschlagene Betriebe, die Entgelterhöhung um zwei Monate verschieben.

Um für ältere Arbeitnehmer gleitende Übergange in den Ruhestand zu schaffen, wird der in der Chemie-Branche bereits bestehende Demografie-Fonds mit frischem Geld gespeist. Die Arbeitgeber zahlen von 2013 bis 2015 jährlich noch einmal 200 Euro pro Beschäftigten - also insgesamt 600 Euro - ein. Die Mittel aus dem Fonds können dann in den Unternehmen flexibel eingesetzt werden. Hierfür stehen verschiedene Modelle zur Auswahl. Ob und welche Modelle ein Unternehmen nutzen möchte, darüber müssen Arbeitgeber und Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung abschließen.

4-Tage-Woche
So wird für Schichtarbeiter künftig ab dem 60. Lebensjahr die 4-Tage-Woche eingeführt, für Beschäftigte in Normalschicht ab dem 62. Lebensjahr. Der Eintritt in die 4-Tage-Woche kann dabei betrieblich variabel festgelegt werden. Entscheidend ist die Zahl der Anspruchsberechtigten. Die Mittel aus dem Fonds sollen die Einkommen stabil halten. Abschläge bei der Rente müssten die Arbeitnehmer nicht fürchten.

Arbeitszeitkorridor
In der Chemie-Branche beträgt die tarifliche Wochenarbeitszeit weiterhin 37,5 Stunden. Mit einer freiwilligen Betriebsvereinbarung kann aber auch eine Wochenarbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden vereinbart werden. So kann bei Personalengpässen länger gearbeitet werden. Die Mehrarbeit wird in Freizeit ausgeglichen. Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder wenn Angehörige gepflegt werden müssen, kann aber auch eine Arbeitszeitentlastung vereinbart werden. Die Betriebsvereinbarung kann es den Beschäftigten auch ermöglichen, sich individuell für eine Arbeitszeit zu entscheiden.

Langzeitkonten
Betriebsrat und Unternehmen können sich auch darauf einigen, die Mittel aus dem Demografie- Fonds in ein Langzeitkonto einzubringen. Dies kann später genutzt werden, damit Arbeitnehmer beispielsweise früher in Rente gehen können.

Altersteilzeit
Bisher können nur rund fünf Prozent einer Belegschaft in Altersteilzeit gehen. Betriebsrat und Unternehmen können mithilfe des Fonds die Altersteilzeit künftig besser einsetzen und den Kreis der Anspruchsberechtigten vergrößern.

Darüber hinaus vereinbarten die Tarifparteien ein Maßnahmenbündel, um Chemieberufe für junge Menschen attraktiver zu machen. Dazu gehören auch Programme, um die Ausbildungsreife junger Menschen zu fördern. Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen zudem das hohe Ausbildungsplatzniveau in der Chemiebranche halten.

Externer Link-Tipp: Webseite Bundesarbeitsgeberverband Chemie (BAVC) - Tarifabschluss 2012 (PDF)

Tipp: Was müssen Sie als Betriebsrat bei einer Betriebsvereinbarung beachten? In unserem neuen, kostenlosen FAQ Betriebsvereinbarung haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.


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