Dieser Titel ist eine echte "Perle" unter den Werken zum FamFG, die unbedingt Beachtung verdient.

Flexible Arbeitswelt: Leiharbeiter tragen die Kosten

Die Bertelsmann-Stiftung fordert "Equal Pay" für Zeitarbeitnehmer. Anlass sind Ergebnisse einer aktuellen Studie im Auftrag der Stiftung. Demnach verdrängen Leiharbeiter zwar nicht die Stammbelegschaft. Aber: Für vergleichbare Tätigkeiten erhalten sie deutlich weniger Geld - bis zu 50 Prozent.

Unternehmen setzen auf Zeitarbeiter als Arbeitskraftreserve und als Antwort auf notwendige Flexibilisierung. Die Nachteile dieser Flexibilität der Unternehmen tragen die Leiharbeiter. So lautet das Fazit der aktuellen Studie "Herausforderung Zeitarbeit".

Männlich, in der westdeutschen Industrie beschäftigt und schlecht bezahlt: So sieht der durchschnittliche Zeitarbeiter in Deutschland im Jahr 2010 aus. In den alten Bundesländern verdient ein Zeitarbeitnehmer mit Berufsausbildung nur knapp die Hälfte (47 Prozent) und in Ostdeutschland 36 Prozent weniger als ein Arbeitnehmer mit gleichem Bildungsniveau in der Gesamtwirtschaft. In Euros bedeutet das: In Westdeutschland gehen Montierer in Metallberufen als Leiharbeiter mit 1.540 bis 2.990 Euro weniger Geld nach Hause als ein Stammbeschäftigter.

Zwar gilt seit 2011 ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche. Dies sei aber nur ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung, sagte Aart De Geus von der Bertelsmann-Stiftung. Der folgerichtige zweite Schritt wäre nun die Einführung von gleicher Bezahlung nach einer Einarbeitungsphase. Die Stiftung schlägt daher vor, "Equal Pay" für alle Zeitarbeitnehmer zu verwirklichen, die länger als drei Monate im Entleihbetrieb tätig sind. Etwa 491.000 Leiharbeiter würden von einer solchen Regelung profitieren. Die daraus resultierenden Kosten beliefen sich auf etwa 410 Millionen Euro.

Insgesamt sei Zeitarbeit nur ein Instrument für mehr Flexibilisierung. Meist werde es zusammen mit anderen betrieblichen Flexibilisierungsmaßnahmen eingesetzt. 58 Prozent aller Betriebe, die Zeitarbeit nutzen, nutzen auch Arbeitszeitkonten. Bei Firmen ohne Zeitarbeitskräfte sind es dagegen nur 20 Prozent. Auch Überstunden und befristete Verträge werden von Betrieben mit Zeitarbeitskräften intensiver genutzt.

Nur selten ist laut Studie übrigens der Effekt zu beobachten, dass Leiharbeiter die Stammbelegschaft ersetzen. Selbst im Krisenzeitraum von Mitte 2008 bis Mitte 2009 hätten nur drei Prozent der Betriebe Stammarbeitskräfte entlassen und gleichzeitig Zeitarbeiter eingestellt. Deutlich häufiger - bei 24 Prozent der Unternehmen - sei hingegen zu beobachten gewesen, dass bei einem Abbau von Zeitarbeitern die Zahl der Festangestellten zunahm.

Die Studie wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erstellt.


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