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Arbeitgeberbewertungsportale: Reputation im Internet

Im Arbeitsmarkt verschieben sich die Gewichte. Ob eine Position erfolgreich besetzt wird, bestimmen nicht nur Unternehmen, sondern zunehmend Bewerber mit dringend benötigten Qualifikationen. Sie möchten schon im Vorfeld mehr über ihren potentiellen Arbeitgeber erfahren. Dabei greifen Jobinteressierte oftmals auf die Meinung anderer zurück. Im Netz haben sie dazu jede Möglichkeit: Auf Arbeitgeberbewertungsplattformen kritisieren oder loben ehemalige Beschäftigte und Mitarbeiter ihre Unternehmen. Doch wie sollen Arbeitgeber mit einer Kritik umgehen?

Vorgesetzte sieht man nicht. Arbeitsbedingungen sind unerträglich, geschuftet wird täglich bis zu 16 Stunden. Perspektiven - Fehlanzeige! Der Begriff "Weiterbildung" ist schlicht nicht existent. Gehalt: Viel zu wenig für das, was erwartet wird. Wenn Mitarbeiter im Internet Dampf ablassen, ist Gefahr im Verzug. Nicht nur Kollegen könnten von solch emotional aufgeladenen Kommentaren "infiziert" werden. Wutausbrüche, Brandreden und selbst in sachlich-nüchternem Tonfall formulierte Bewertungen erreichen auch die potenziellen Bewerber.

Hochgradig interessiertes Publikum

Gewiss wird nicht jeder negative Rundumschlag von Arbeitnehmern für Aufsehen sorgen. So entsteht im Internet noch lange kein "Shit Storm". Doch der geschilderte Fall einer Consultingfirma in Frankfurt am Main ist von anderer Tragweite. Die überaus negative Bewertung ist auf Kununu.com nachzulesen. Das Arbeitgeberbewertungsportal wird monatlich von rund einer Millionen Leser angeklickt und ist damit das weitaus größte dieser noch recht jungen Branche. Auch auf anderen Portalen wie Jobvoting.de, Kelzen.com, Bizzwatch.de oder MeinChef.de treffen Kommentare von Mitarbeitern und ehemals Beschäftigten auf ein großes und hochgradig interessiertes Publikum.

Dass der Fall eskalierte und inzwischen auf Tagungen zum Reputationsmanagement im Internet als Präzedenzfall debattiert wird, muss das Unternehmen auf die eigene Kappe nehmen. Als die skizzierte Bewertung auf der Plattform erschien, kommentierte der Geschäftsführer den Eintrag höchstpersönlich: "Die Bewerberin wurde bereits nach kurzer Zeit in der Probezeit gekündigt. Nach Kenntnisnahme des Textes ist dies auch selbsterklärend." Ungeschickter kann man den eigenen Ruf im Netz nicht torpedieren.

Offen mit Kritik umgehen

"Ein klassisches Eigentor des Arbeitgebers", brandmarkte Kununu-Managerin Carolin Horn das Beispiel auf einem HR-Forum in Hannover. Statt sich mit seiner selbstherrlichen Sicht anzufreunden, würde die überwiegende Mehrheit potenzieller Bewerber sich mit dem vom Boss abgekanzelten Mitarbeiter solidarisieren. "Der Chef vermittelt genau die Attitüde, die scheinbar im Betrieb vorherrscht", erläuterte Horn. Klüger wäre gewesen, der Firmenleiter hätte positiv und offen auf Kritik reagiert.

Wie das funktioniert, zeigt die Reaktion eines Unternehmens, das ein Dating-Portal im Netz betreibt. Als sich ein Mitarbeiter bei Kununu negativ über seinen Arbeitgeber äußerte, nahm die Geschäftsführung mit einem Kommentar umgehend Stellung: "Danke für Ihre Hinweise. Bitte helfen Sie uns, wie wir menschlicher miteinander umgehen können." Die Vermutung liegt nahe, dass verständnisvolle Reaktionen im freundlichen Tonfall wie hier in der Community gut ankommen.

Arbeitgeber mit der Attitüde: "Ich gebe Dir Arbeit, Du bist schließlich der Arbeitnehmer", stehen auf verlorenem Posten. Sie müssen sich abwenden von der Rekrutierung nach Gutsherrenart. Mit unglaubwürdigen Inhalten gespickte Hochglanzbroschüren über Scheinarbeitswelten gehören der Vergangenheit an. Das zu erobernde Terrain heißt Social Media. Das Bedürfnis, Kontakte zu knüpfen und neue Bekanntschaften zu schließen (Facebook), sich zu vernetzen zum beruflichen Vorteil (Xing/LinkedIn), Meinungen auszutauschen und Allerlei zu kommentieren (Twitter) sowie das Aussprechen von Empfehlungen (Arbeitgeberbewertungsportale) seien "hype-resistent", wie der Recruiting-Experte Wolfgang Brickwedde trefflich sagt.

Beobachten statt ignorieren

Unternehmen und vor allem Personaler sollten mit Kritik aus Arbeitgeberbewertungsportalen positiv umgehen: Auch wenn Bewerber im Vorstellungsgespräch sogar darauf verweisen. HR sollte deshalb beobachten, was im Netz zum Ausdruck kommt. Tweetdeck.com durchsucht beispielsweise Twitter-Einträge. Auch über Google Alerts ist zu ermitteln, auf welchen Seiten über die Firma gesprochen wird.

"Noch genießen Unternehmen Welpenschutz", räumt Kununu-Managerin Horn der Wirtschaft etwas Zeit ein, um den Ruf als Arbeitgeber im Netz zu verbessern. Sich glaubwürdig und freundlich zu erweisen, könnte das Zünglein an der Waage sein. Wer falsche Erwartungen verhindert, kann nicht nur Rekrutierungskosten senken. "Mitarbeiter, die sich mit ihrer Firma identifizieren, halten auch in Krisen zusammen", zitiert Horn das vielleicht stärkste Argument.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Winfried Gertz, Freier Journalist, München.


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