Das Handbuch der Unternehmensumwandlung ist seit langem eine feste Größe in der Literatur zum Umwandlungsrecht.

Fußball, Bergsteigen, Kick-Boxen: Entgeltfortzahlung nach Sportverletzung?

Viele Arbeitnehmer sind in ihrer Freizeit sportlich aktiv. Meist fördert das auch die Gesundheit. Doch wer sich eine Sportverletzung zuzieht, kann schnell für mehre Wochen als Mitarbeiter ausfallen. Wenn Fußballspielen, Bergsteigen oder Skifahren zur Arbeitsunfähigkeit führen, sollten Arbeitgeber genauer hinschauen. Denn nicht immer muss Entgeltfortzahlung geleistet werden.

Nach den Bestimmungen des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG) steht dem Arbeitnehmer bei einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit Entgeltfortzahlung für die Dauer von bis zu sechs Wochen zu. Allerdings gilt diese Regelung nur dann, wenn den Arbeitnehmer kein Verschulden an der Arbeitsunfähigkeit trifft. Wann aber hat der Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet?

Mit Verschulden im Sinne der Entgeltfortzahlungsbestimmungen ist ein grober Verstoß gegen das eigene Interesse eines verständigen Arbeitnehmers gemeint. Plakativ wird auch von einem Verschulden gegen sich selbst gesprochen. Es reicht nicht, dass der Arbeitnehmer einfach "nur" leichtsinnig handelt und eine Sportart betreibt, bei der er sich typischerweise verletzen kann. Nach Ansicht der Arbeitsgerichte führt vielmehr nur ein "besonders leichtfertiges" oder "vorsätzliches Verhalten" zu einem Verschulden. Die Folge: Der Arbeitgeber muss keine Entgeltfortzahlung leisten.

Bei Arbeitsunfähigkeit in Folge eines Sportunfalls unterscheiden die Arbeitsgerichte drei Fallgruppen, in denen Verschulden anzunehmen ist:

  • Schuldhaft handelt ein Arbeitnehmer, der sich in einer seine Kräfte und Fähigkeiten deutlich übersteigenden Weise betätigt und dadurch gesundheitliche Schäden erleidet. Ein Skianfänger darf nicht die "schwarze" Piste befahren, ein Wanderer sich nicht ohne vorheriges Training im Felsklettern versuchen.

  • Weiter ist eigenes Verschulden anzunehmen, wenn der Arbeitnehmer in besonders grober Weise leichtsinnig gegen anerkannte Regeln der jeweiligen Sportart verstößt. Dazu gehören Wettkampfverletzungen durch gegen Spielregeln verstoßendes Verhalten, ungenügende Beachtung von anerkannten Sicherheitsregeln (Schutzkleidung, Helmpflicht), das Fehlen angemessener Sportausrüstung (Bergsteigen mit Turnschuhen, Klettersteigbegehung ohne ausreichendes Sicherungs-Equipment), Nichteinhalten von Verhaltensregeln wie FIS-Regeln beim Skifahren oder FIFA-Regeln beim Fußball.

  • Darüber hinaus nehmen Arbeitsgerichte Verschulden an, sobald sich der Arbeitnehmer die Sportverletzung bei einer "gefährlichen Sportart" zugezogen hat. Das Verletzungsrisiko ist dabei so groß, dass auch ein gut ausgebildeter Sportler trotz sorgfältiger Beachtung aller Regeln dieses Risiko nicht vermeiden kann. Bisher wurde seitens der Rechtsprechung allerdings nur Kickboxen als gefährliche Sportart eingeordnet, nicht aber Moto-Cross-Rennen, Amateurboxen oder Drachenfliegen.

Letztlich verschuldet der Arbeitnehmer einen Sportunfall nur selbst, wenn er seine Kräfte und Fähigkeiten deutlich überfordert oder die anerkannten Regeln seiner Sportart grob und leichtsinnig verletzt. Sofern er jedoch eine Sportart regelgerecht ausübt und sich nicht selbst überfordert hat, trifft ihn keine Schuld.

Praxisbeispiel A:

Eine 61-jährige Arbeitnehmerin verletzt sich beim Inline-Skaten. Der Arbeitgeber verweigert die Entgeltfortzahlung, da sie ihre Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet habe. Hier kommt es allein darauf an, ob der Arbeitnehmerin vorgeworfen werden kann, dass sie sich in einer ihre Kräfte und Fähigkeiten deutlich übersteigenden Weise (sportlich) betätigt hat. Allein das Alter ist nicht ausschlaggebend. 61 Jahre sind, so meinen die Arbeitsgerichte, "kein Alter, in dem man nicht ohne weiteres noch Inlineskaten könnte". Es kommt dann im Einzelfall darauf an, ob die Arbeitnehmerin im Umgang mit Inline-Skates geübt war.

Ein 25-jähriger Arbeitnehmer zieht sich bei einem Amateur-Fußballspiel eine Knieverletzung zu und fällt krankheitsbedingt für mehrere Wochen aus. Der Arbeitgeber möchte daraufhin ebenfalls die Entgeltfortzahlung verweigern: Zu Recht? Die Teilnahme am Fußballspiel als solche stellt sicherlich kein Verschulden dar. Das Bundesarbeitsgericht hat dazu bereits im Jahr 1976 ausgeführt: "Fußball ist zwar ein Kampfspiel, das körperlichen Einsatz erfordert und bei dem Verletzungen nicht auszuschließen sind. Diese Sportart gehört jedoch heute zu den verbreitetsten Sportarten überhaupt. Sie wird bereits in der Schule gefördert. Erwachsenen bietet sie einen Ausgleich zu den Belastungen des Arbeitslebens und wird allgemein als eine der Gesundheit dienende vernünftige Betätigung angesehen. Auch die Teilnahme an einem Fußballspiel zwischen zwei Amateurvereinen ist eine allgemein gebilligte und übliche sportliche Betätigung. Damit erhöht ein Arbeitnehmer nicht das Risiko, durch Verletzung arbeitsunfähig krank zu werden, in einem dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbaren Ausmaß."

Praxisbeispiel B:

Ein 25-jähriger Arbeitnehmer zieht sich bei einem Amateur-Fußballspiel eine Knieverletzung zu und fällt krankheitsbedingt für mehrere Wochen aus. Der Arbeitgeber möchte daraufhin ebenfalls die Entgeltfortzahlung verweigern: Zu Recht? Die Teilnahme am Fußballspiel als solche stellt sicherlich kein Verschulden dar. Das Bundesarbeitsgericht hat dazu bereits im Jahr 1976 ausgeführt: "Fußball ist zwar ein Kampfspiel, das körperlichen Einsatz erfordert und bei dem Verletzungen nicht auszuschließen sind. Diese Sportart gehört jedoch heute zu den verbreitetsten Sportarten überhaupt. Sie wird bereits in der Schule gefördert. Erwachsenen bietet sie einen Ausgleich zu den Belastungen des Arbeitslebens und wird allgemein als eine der Gesundheit dienende vernünftige Betätigung angesehen. Auch die Teilnahme an einem Fußballspiel zwischen zwei Amateurvereinen ist eine allgemein gebilligte und übliche sportliche Betätigung. Damit erhöht ein Arbeitnehmer nicht das Risiko, durch Verletzung arbeitsunfähig krank zu werden, in einem dem Arbeitgeber nicht mehr zumutbaren Ausmaß."

Wie aber kann der Arbeitgeber ein

Die Geschehensabläufe spielen sich typischerweise in der Sphäre des Arbeitnehmers ab. Der Arbeitgeber, der das Verschulden des Arbeitnehmers nachweisen möchte, ist deshalb auf dessen Mitwirkung angewiesen. Der Arbeitgeber muss Anhaltspunkte für eine schuldhafte Sportverletzung zunächst mal vortragen. Verweigert der Arbeitnehmer dann seine Mitwirkung und erläutert nicht die genaueren Umstände, wie es zur Verletzung kam, kann dies als Indiz für Verschulden gewertet werden. In diesem Fall kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern.

Fazit: Arbeitsunfähigkeit bedeutet nicht gleichzeitig den Anspruch auf Entgeltfortzahlung. In der Praxis scheuen Arbeitgeber die Auseinandersetzung oft wegen der Beweisschwierigkeiten. Doch besonders bei Sportunfällen sollte genauer hingeschaut und explizit nachgefragt werden. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die Entgeltfortzahlung bis zur Aufklärung des Sachverhalts zurückzubehalten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Julia Zange, LL.M., Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht, Jones Day.


fun-walking
fun-walking
fun-walking
fun-walking