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Beitrag Nr. 198504 vom 30.03.2011

Werbungskosten eines Pfarrers

Die Aufwendungen eines Pfarrers für die Teilnahme an einer Pilgerwallfahrt und Tertiatskursfahrt können Werbungskosten aus nichtselbstständiger Arbeit sein (BFH, Urteil vom 09.12.2010 - VI R 42/09). Hierbei sind ggf. die Grundsätze zu gemischt veranlassten Aufwendungen zu berücksichtigen.

Der Kläger ist katholischer Priester und Pfarrer. Er bezieht aus dieser Tätigkeit Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Im Jahr 2003 nahm er an einer vom Pfarrgemeinderat initiierten und von einem professionellen Reiseveranstalter durchgeführten Pilgerwallfahrt nach Rom teil. Die Teilnahme hieran war als Dienstreise genehmigt worden. Ebenfalls in 2003 war der Kläger Teilnehmer an einer Tertiatskursfahrt von Seelsorgern nach Jordanien, die auch als Dienstreise genehmigt war. Die Kosten für diese Reisen setzte der Kläger in seiner Einkommensteuererklärung als Werbungskosten an. Das Finanzamt lehnte den Werbungskostenabzug ab. Nach einem erfolglosen Einspruchsverfahren wies das Finanzgericht (FG) die daraufhin eingelegte Klage ab. Das Gericht begründete dies damit, dass bei beiden Reisen nach Würdigung der Gesamtumstände eine private Mitveranlassung von nicht ganz untergeordneter Bedeutung vorliege.

Der Kläger zog weiter vor den Bundesfinanzhof (BFH), der die Revision als begründet ansah und die Sache zur erneuten Entscheidung an das FG zurückverwies.

Das Gericht führt hierzu aus, dass beruflich veranlasste Bildungsaufwendungen als Werbungskosten abziehbar sind. Ein uneingeschränkter Abzug sei vorzunehmen, wenn die Reise ausschließlich oder nahezu ausschließlich der beruflichen Sphäre zuzuordnen ist. Sofern eine Bildungsreise gemischt veranlasst ist, sei der beruflich veranlasste Teil der Reisekosten als Werbungskosten abziehbar.

Nach Zurückverweisung des Verfahrens an das FG hat dieses nun anhand aller Umstände des Einzelfalles zu prüfen, ob die Reisen möglicherweise ausschließlich beruflich veranlasst waren. Sollte das FG zu dem Ergebnis kommen, dass nicht nur berufliche, sondern auch nennenswerte private Gründe zur Durchführung der Reisen geführt haben, hat es weiter zu prüfen, ob die beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge nach objektiven Kriterien voneinander abgrenzbar sind.

(BFH, 09.12.2010 - VI R 42/09)

Dieser Beitrag wurde erstellt von RA Holger Höwel.


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